Sabine Gruber Intermediäre Organisationen in der Stadtentwicklung


Sabine Gruber Intermediäre Organisationen in der Stadtentwicklung

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Möglichkeitsräume für kollektives Lernen und Demokratieentwicklung
Schriftenreihe des europäischen Masterstudiengangs Gemeinwesenentwicklung, Quartiersmanagement und Lokale Ökonomie an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München (www.macd.hmu.edu)
2007, ISBN 978 -3-93 0 83 0-86-2, 140 S. 16 Euro
Der Ansatz der Lernenden Organisation lässt auf Stadt(teil-)entwicklungsprozesse übertra-gen. Es müssen dafür lediglich die entsprechenden Lern- und Kommunikationsräume geschaffen werden. Die konsequente Anwendung des organisationalen Lernens hat gezeigt, dass ein grundlegender Paradigmenwechsel sowohl auf Ebene der Stadtplanung als auch innerhalb der intermediären Organisationen notwendig ist, um dem Anspruch auf Mitgestaltung und kooperativer Entwicklung gerecht werden zu können. Das Buch beleuchtet das Zusammenspiel von individuellen und kollektiven Lernprozesse. Das bis dato unhinterfragte Ziel gemeinsamen Entwickelns und Planens muss überdacht werden und Raum sowohl für individuelles als auch für kooperatives Erfahren geschaffen werden, der auch Platz für Rückkoppelungsschleifen in den Abläufen einplant. Vor dem Hintergrund, dass nicht jedes Problem im Kollektiv gelöst werden kann, drängt sich die Frage auf, wer in Zukunft die Schnittstellenkommunikation übernimmt. Die Kommunikation zwischen den Teilsystemen Zivilgesellschaft, Staat und Markt verlangt nämlich eine aktivere Haltung als die der reinen Moderation.

Rezensionen
von Christian M. Peer in: dérive Zeitschrift für Stadtforschung Nr. 29 Oktober-Dezember 2007, Seite 61
STADTENTWICKLUNG LERNEN
Die Förderung von Innovationsbereitschaft in der Stadtentwicklung steht im Zentrum der neuen Veröffentlichung von Sabine Gruber. Die Autorin und Leiterin des Lo­kale Agenda 21-Büros am Alsergrund in Wien geht davon aus, dass Stadtentwick­lung auf einer möglichst breiten Basis ste­hen muss,. um nachhaltig wirken zu kön­nen. Keine leichte Aufgabe - divergieren doch bekanntermaßen die Interessen der Akteurlnnen aus Zivilgesellschaft, Staat und Markt oftmals erheblich. In zuneh­mendem Maß sind es intermediäre Orga­nisationen, die an solchen Schnittstellen eine wichtige (kommunikative) Rolle ein­nehmen. Gruber analysiert hier die Mög­lichkeitsräume für individuelles und kol­Iektives Lernen und richtet ihren Blick auf das Städtische als wichtigen Ort des Po­litischen. Als politischen Realitäts-Check führt die Autorin den Malstab demokra­tischer Entscheidungsstile ein und verweist damit auch auf Entwicklungsgren­zen der Stadtentwicklung, welche sie auf grundlegende Strukturprobleme gegen­wärtiger Stadtgesellschaften zurückführt.
Diese Grenzen könnten - so die Hypothese - überwunden werden, indem Stadtent­wicklung konsequent als eine Summe von Lernprozessen verstanden wird, in denen sich alle Akteurlnnen im Sinne einer De­mokratieentwicklung weiterentwickeln und annähern müssen. Im Unterschied zu päda­gogisch inspirierten Theorien wie jener der Urbanen Bildung (siehe: Beck, Johannes u.a. (Hg.) (2005): StadtRandNotizen, Bd. 2. Urbane Bildung. Bremen: Edition Tem­men.) (Fokus auf Bedingungen, wonach die Menschen die Stadt bilden und die Stadt die Menschen bildet) liegt der Akzent in Grubers Forschungsansatz bei der Betrach­tung potenzieller Organisationsformen der Stadtentwicklung. Analysiert wird in ers­ter Linie das Grätzelmanagement in Wien. „Ziel ist es, die Entscheidungsabläufe und Settings zu beschreiben und Vorausset­zungen und Verbesserungsvorschläge für gelingende Prozesse und kollektive Wis­sensgenerierung (organisationales Lernen) zu formulieren". Aus problemzentrierten Interviews mit Expertlnnen aus den Teil­systemen Zivilgesellschaft, Staat und Markt sowie dem intermediären Bereich erzeugt Gruber ihre qualitative Datenbasis, wobei die Expertlnnen selbst in ihrem Handlungs­feld als AkteurInnen positioniert werden.
Aus einem induktiv-deduktiven Wechsel­spiel entlang einer Kategorienbildung extrahiert die Autorin schließlich drei Schwerpunkte: Motivation als Voraussetzung kooperativer Entwick­lung. Entscheidungs- und Durchsetzungs­stile als Rahmen demokratischer Entwick­lung und (Praxis-)Lernen als Schlüssel für Entwicklung. Gruber gelingt es somit einem häufig anzutreffenden Vorurteil aus dem Weg zu gehen: keinE AkteurIn agiert neutral. Insofern versucht sie die im Feld aufgezeichneten (verschiedenen und durch­aus widersprüchlichen) Motive aus der Perspektive des individuellen wie auch des gesellschaftlichen Nutzens zu verstehen. Mit eben dieser Kombination gelingt im Vergleich zum Interact-Handbuch Koope­rative Stadtentwicklung (siehe: Institut für Städtebau und Wohnungswesen der Lan­deshauptstadt München (Hg.) (2005): Ko­operative Stadtentwicklung: Das Interact Handbuch. Anders denken - Anders han­deln. München.), welches sich wie Gruber mit neuen Formen von Urban Governance und dem Entwurf integrierter Stadtent­wicklungsstrategien befasst, eine vertieftere Auseinandersetzung mit möglichen Orga­nisationsformen und deren Demokratie­gehalt.
Unberücksichtigt bleibt bei Grubers For­schungssetting die für Wien spezifische strukturelle Ausgangssituation der in vielen Bereichen der sozialen Stadtentwicklung maßgeblichen Rolle der klassischen, neuen und mobilen Gebietsbetreuungen. Vor dem Hintergrund der ökonomischen Vormacht­stellung der Gebietsbetreuungen könnten etwa im Anschluss an Grubers Versuch ei­ner wissenschaftlichen Differenzierung von Entscheidungs- und Durchsetzungsstilen neue aufschlussreiche Fragestellungen ent­lang systematischer Vergleiche verschie­dener (intermediärer) Organisationen in­nerhalb der sozialen Stadtentwicklung erarbeitet werden.
Mit der nun als Publikation vorliegenden Abschlussarbeit hat die Kulturwissen­schaftlerin den Masterstudiengang Gemein­wesenentwicklung, Quartiersmanagement und Lokale Ökonomie an der Fachhoch­schule München absolviert. Eine interes­sante Bildungsvariante auch in Hinblick auf die professionelle Verbindung von sozialer Arbeit und Raumplanung in der Stadtent­wicklung. Eine aufschlussreiche und vor allem den ökonomischen und sozialen As­pekten des Begriffs Nachhaltigkeit (siehe das Interact-Handbuch, a.a.O.) geschuldete Publikation, die zum aktiven Weiterdenken und Weiterlernen anregt.

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