Angelika Tschanen-Hauser Familienergänzende Kinderbetreuung in der Schweiz


Angelika Tschanen-Hauser Familienergänzende Kinderbetreuung in der Schweiz

Artikel-Nr.: M 203
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Familienergänzende Kinderbetreuung als Bestandteil sozialer Stadtentwicklung – Sozialraumorientierung als Leitkonzept
Schriftenreihe des europäischen Masterstudiengangs Gemeinwesenentwicklung, Quartiersmanagement und Lokale Ökonomie an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München (www.macd.hmu.edu)
2007, ISBN 978 -3-93 0 83 0-87 -9, 233 S., 22 Euro

Die familienergänzende Betreuung von Kindern ist seit Jahren ein hochaktuelles Thema – und wird es vermutlich auch in Zukunft bleiben. Heute ist man sich über die parteipolitischen Grenzen hin aus einig: Ein ausreichendes Angebot an Kindertagesstätten, Ganztageskindergärten, Tagesschulen und ähnlichen Angeboten dient der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ist daher ein zentrales gleichstellungspolitisches Postulat. Auch der volkswirtschaftliche Nutzen solcher Angebote ist inzwischen erkannt. Die Erwerbsquote von Frauen mit Kindern nimmt stetig zu. Die Autorin verdeutlicht, dass das Handlungsfeld familienergänzender Kinderbetreuung einen relevanten Beitrag zur einer sozialen Stadt- bzw. Gemeindeentwicklung zu leisten hätte. In einem ersten Teil werden die deutschen Diskurse um das Leitkonzept Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe und um die Soziale Stadtentwicklung vor dem Hintergrund der spezifi sch Rahmenbedingungen des Handlungsfeldes in der Schweiz refl ektiert. Besondere Beachtung fi nden dabei die Themen soziale und ethnische Segregation in Schweizer Städten und Migration in der Schweiz. Soziale Stadtentwicklung soll die Probleme, aber auch die Ressourcen von Menschen, die in so genannten benachteiligten Quartieren leben, in den Blick nehmen. Der zweite, empirische Teil folgt einer aktuellen politischen Zielsetzung in der Stadt Zürich: Untersucht wird – exemplarisch an einem Stadtteil, in dem auch viele sozial benachteiligte Familien leben –, ob und wie dort Selbsthilfe und Selbstorganisation in der Kinderbetreuung gefördert werden können. Der dritte Teil integriert Theorie und Empirie und zeigt auf, wie voraussetzungsreich das Konzept Sozialraumorientierung ist, wenn es nicht nur geografi sch-administrativ gedacht wird, sondern Lebensweltorientierung und Partizipation bzw. eine Einmischungsperspektive beinhaltet und auf dem Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit basiert. Die Grundlagenarbeit entwirft Leitplanken für eine gemeinwesenorientierte Weiterentwicklung des Frühbereichs und macht deutlich, dass Sozialraumorientierung konsequente sozialpolitische Gestaltung und Lernprozesse auf den verschiedensten Ebenen bedingt.


Rezension

Angelika Tschanen-Hauser: Familienergänzende Kinderbetreuung in der Schweiz.

Familienergänzende Kinderbetreuung als Bestandteil sozialer Stadtentwicklung – Sozialraumorientierung als Leitkonzept, Voraussetzungen, Chancen und Grenzen
„Wir schreiben das Jahr 2012. Der Stadtteil Schwamendingen spiegelt – exemplarisch – die Ueberzeugung wieder, dass das Leben mit Kindern, ihre Erziehung, Betreuung und Bildung sowie die Unterstützung von Familien Sache der ganzen Gesellschaft ist. (…)“
Mit einer persönlichen Vision der sozialräumlichen Gestaltung der Familienergänzenden Kinderbetreuung nimmt die Autorin den für Schwamendingen in Bezug auf das Wohnen typischen Genossenschaftsgedanken auf und rundet damit ihre Diskussion zum Thema Familienergänzende Betreuung als Bestandteil sozialer Stadtentwicklung ab.
Im Zentrum ihrer Ausführungen steht die Diskussion der These, dass Familienergänzende Kinderbetreuung einen wirkungsvollen Beitrag zu einer sozialen Stadtentwicklung leisten kann, wenn sie sich über ihre Einrichtungsgrenzen hinaus ins Quartier öffnet und ihre Dienstleistungen auf die Lebenswelt und die Bedüfnisse der kleinen und grossen QuartierbewohnerInnen ausrichtet.
Im theoretischen Teil werden als Grundlage und Vorbereitung des empirischen Teils die Situation der Familienergänzenden Kinderbetreuung in der Schweiz dargestellt, der Begriff der sozialen Stadtentwicklung erläutert sowie die Konzepte Sozialraum-und Ressourcenorientierung eingeführt. Die soziale und ethnische Segregation in Schweizer Städten sowie die Migrationsfrage finden dabei besondere Beachtung.
Integration, Ressourcenorientierung, Selbsthilfe und Selbstorganisation sind Schlüsselthemen einer sozialen Stadtentwicklung. Im zweiten Teil geht die Autorin von der politischen Zielsetzung in der Stadt Zürich aus, die Selbstorganisation in der Kinderbetreuung zu aktivieren und zu unterstützen. Sie untersucht in einem Quartier, in dem viele benachteiligte Familien leben, ob und wie dort Selbsthilfe und Selbstorganisation gefördert werden können.
Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung werden im dritten Teil, dem Herzstück der Arbeit, vor dem theoretischen Hintergrund reflektiert und in 5 Thesen zur Konkretisierung von Sozialraumorientierung in der Familienergänzenden Kinderbetreuung zusammengefasst. Aus den Thesen, die eine weiterführende Diskussion geradezu anregen, geht hervor, dass hinter der einfach scheinenden Lösung der Selbstorganisation und Selbsthilfe bei genauerer Betrachtung Organisations-, Kooperations- und Vernetzungsstrukturen sowie politischer Gestaltungswille und Partizipation stehen. Diese Strukturen und Handlungsprinzipien müssen aufgebaut rsp. definiert und durch gemeinsame Lern- und Entwicklungsprozesse mit der

konkreten Lebenswelt der QuartierbewohnerInnen verbunden werden. Das vermeintlich Einfache ist somit ohne vorgängige Investition von Ressourcen nicht zu realisieren.
Damit greift die Autorin ein in der Schweiz brisantes und aktuell diskutiertes Thema auf: die Frage nach der Finanzierbarkeit der Familienergänzenden Kinderbetreuung. Da die finanziellen Mittel der Gemeinden erschöpft und die Preiselastizität bei den Elternbeiträgen ausgereizt sind, verlangen PolitikerInnen neue und kostengünstigere Modelle für die Kinderbetreuung. Selbstorganisation, Sozialraum- und Ressourcenorientierung sind nicht mehr „nur“ soziale Handlungskonzepte, sondern politisches Programm. Vor diesem Hintergrund leistet die Autorin durch die theoretische Herleitung der Begriffe und der spezifischen Handlungskonzepte einen wesentlichen Beitrag zur Systematisierung von Alltagswissen und zur Klärung des Vorverständnisses, was die Diskussionen versachlicht und die Erfolgschancen sowie die Qualität von sozialraumorientierten Entwicklungsprojekten im Bereich der Familienergänzenden Kinderbetreuung erhöht.
Der Autorin ist mit ihrer Arbeit ein Beitrag aus der Praxis für die Praxis gelungen. Alltagswissen wurde verschriftlicht, durch theoretische Reflexion anhand spezifischer Handlungskonzepte transformiert und in systematisierter Form der Praxis zur Diskussion und Weiterentwicklung wieder zur Verfügung gestellt. Der Anhang und die Anmerkungen sind ein Fundus an weiterführenden und vertiefenden Informationen. Sie beinhalten die Aufarbeitung der aktuellen Literatur und „Good practice“-Beispiele zum Thema Sozialraumorientierung und Kinderbetreuung.
Das Buch ist ein unverzichtbarer Impulsgeber für Studierende der Sozialen Arbeit und der Pädagogik sowie für EntscheidungsträgerInnen, Vorstände, ProjektleiterInnen, EinrichtungsleiterInnen, Stadt-und OrganisationsentwicklerInnen, die sich sozialräumlich engagieren und/oder neue Modelle zur Familienergänzenden Kinderbetreuung entwickeln oder begleiten wollen.
lic. phil. Doris Rabenstein

Organisationsberaterin BSO
Zürich, Juni 2007

Eine weitere Rezension von Kitty Chassée, Dozentin an der Hochschule für Soziale Arbeit Zürich und Leiterin des Weiterbildungsmasters (MAS) in Kinder- und Jugendhilfe finden Sie unter http://www.infostelle.ch/de/dyn_output.html?navigation.void=2919&content.cdid=2919&content.vcname=container_publikationen&navivoid=3992&comeFromOverview=true&collectionpageid=3991&backurl=http://www.infostelle.ch/buchservice/rezensionen.html&SID=ffda88d189ea1961f30252f7aa6f47b9
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