E. Voß, NETZ f. Selbstverwaltung u. Selbstorganisation: Wegweiser Solidarische Ökonomie


E. Voß, NETZ f. Selbstverwaltung u. Selbstorganisation: Wegweiser Solidarische Ökonomie

Artikel-Nr.: M 220
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E. Voß, NETZ f. Selbstverwaltung u. Selbstorganisation
Wegweiser Solidarische Ökonomie
2010, ISBN 978-3-930830-50-3, 92 S., 9 Euro

„Solidarische Ökonomie“ – was ist das überhaupt? Ein wirtschaftswissenschaftliches Fachgebiet? Ein praktisches Versuchsfeld? – Die vielfältigen theoretischen Konzepte, praktischen Betriebe und Projekte Solidarischer Ökonomien werden in diesem Buch vorgestellt: Kommunen, Haus- und Gartenprojekte, Projekte in den Bereichen Soziales, Kunst, Kultur, Bildung und Medien, Frauenprojekte, Tauschringe, Umsonstläden und Open-Source-Projekte, Finan­zierungs­­­strukturen,  Netz­­­werke und Verbände. Ergänzt wird dieser Überblick durch Beispiele von Projekten aus anderen Ländern und internationalen solidarischen Wirt­­schaftsbeziehungen.

Blick ins Buch

"Das kleine Büchlein gibt einen umfassenden, vielschichtigen, farbigen Überblick über weltweite, lokale, vernetzte Aktivitäten zur Begründung und Festigung eines Lebenstils, der konstruktive Alternativen in der gegenwärtigen Krise aufzeigt."
(Alwine Schreiber-Martens, Zeitschrift für Sozialökonomie, 168-169/2011)

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort / Einleitung / Zum Verständnis Solidarischer Ökonomien / Zum Begriff der Solidarischen Ökonomie
Weltbilder und Menschenbilder für eine andere Welt
Aspekte Solidarischen Wirtschaftens / Nutzen statt Gewinn / Es geht um Arbeit / Eigentum und Demokratisierung der Wirtschaft / Lokal sozial und ökologisch Handeln
Zur Geschichte Solidarischer Ökonomien in Deutschland
Praxisbeispiele Solidarischer Ökonomien
Anders Arbeiten, anders Wohnen / Selbstverwaltete Betriebe und Kooperationen / Hausprojekte / Wagenburgen / Kommunen, Ökodörfer und andere selbstorganisierte Lebensgemeinschaften
Frauenbetriebe und –projekte
Was Menschen zum Leben brauchen / Widerstand gegen Privatisierungen / Energie / Wasser und Abwasser / Gesundheit, Leben und Sterben / Erziehung und Bildung
Gartenbau, Landwirtschaft und Ernährung
Genossenschaften
Wer erklärt die Welt? Wissenschaft / Medien / Soziokultur
Solidarisch Wirtschaften mit und ohne Geld / Solidarische Finanzierung / Tauschringe und Regionalwährungen / Umsonstökonomie und freie Kooperationen
Vernetzungszusammenhänge, Verbände und Unterstützungsstrukturen
Eine Welt / Die Unsichtbaren / Konsum: fair, ethisch und ökologisch / Solidarische Entwicklungs- zusammenarbeit / Blick über die Grenzen
Ausblick / Zur Autorin

Einleitung

So lange Menschenrechte nicht überall und unterschiedslos für alle Menschen durchgesetzt sind, kann ich mit dieser Welt nicht einverstanden sein. Die materielle Basis der Verstöße gegen Menschenrechte sehe ich in der kapitalistischen, profitorientierten Ökonomie begründet. Dabei ist mein Blick geprägt von diesem Deutschland mit seiner mörderischen Vergangenheit, von diesem Europa mit seinen tödlichen Außengrenzen und von dieser nördlichen Hemisphäre mit ihrem ausbeuterischen und zerstörerischen Ressourcenfraß.
Heute ist es vor allem der Kapitalismus, der die Verwirklichung der Menschenrechte verhindert und Lebensgrundlagen zerstört, aber auch in nicht-kapitalistischen Gesellschaften gab und gibt es Macht und Gewalt. Die materielle Basis der Herrschaft von Menschen über andere Menschen ist die von Ausbeutungsverhältnissen dominierte Ökonomie. Daher setze ich auf praktische ökonomische Alternativen als Voraussetzung einer emanzipatorischen, solidarischen Gesellschaft.
Diese Ansätze, die konkreten Lebensbedingungen hier und jetzt zu verbessern, beziehen ihre Stärke daraus, dass Menschen nicht in der ihnen zugedachten Rolle als Opfer gewalttätiger Verhältnisse verharren, sondern in diesen Vorhaben mit ihrer Praxis dagegen aufbegehren und eigene materielle Realitäten schaffen.
In diesem Wegweiser habe ich die Bandbreite der benannten Ansätze bewusst sehr weit gehalten. Die LeserInnen mögen selbst beurteilen, ob im Einzelfall wirklich der Mensch im Mittelpunkt des Wirtschaftens steht, ob es sich vielleicht nur um egozentrischen Eskapismus handelt, oder ob sich unter einem sozial-ökologischen Mäntelchen letztlich doch nur profanes Gewinnstreben versteckt. Grundsätzlich möchte ich alle Versuche anderen Wirtschaftens ernst nehmen, die Motive der Akteure respektieren, ihre Praxis mit Interesse befragen und zunächst von ihrer Redlichkeit ausgehen. In der Vielfalt der Ansätze sehe ich einen großen Reichtum, darum erlebe ich es als störend und zutiefst unsolidarisch, wenn VertreterInnen einzelner Richtungen selbstgewiss behaupten, ihr Weg sei der einzig richtige und besser als andere.
Mit diesem Wegweiser möchte ich zum besseren Verständnis und zum Kennenlernen der vielfältigen Ansätze ökonomischer Alternativen beitragen. Solidarische Ökonomien werden oft in kleinen, dissidenten Einheiten erprobt, diese andere Wirtschaftsweise umfasst jedoch letztlich weit mehr als nur kleine, feine Alternativprojekte. Wer ernsthaft die Gesellschaft von ihrer ökonomischen Basis her verändern möchte, muss die kuschelige Gartenzwergperspektive verlassen und sich zum Beispiel auch mit Alternativen in großen Unternehmensstrukturen oder transnationalen Handelsabkommen befassen.
Die Zusammenstellung der Beispiele konzentriert sich auf Deutschland, mit einigen Blicken über die Grenzen. Neben allem Bemühen um eine große Breite ist sie subjektiv geprägt und etwas Berlin-lastig. Mit unserer Link-Sammlung im Internet kann sich das auswachsen.
Für ihre Beiträge zur Entstehung dieses Wegweisers bedanke ich mich beim AG SPAK Verlag, insbesondere bei Waldemar Schindowski für die Idee zum Buch; bei meinen VorstandskollegInnen vom NETZ für Ermutigung und inhaltliche Anregungen und Ergänzungen; bei Dieter Poschen dafür, dass er als Koordinator und Endredakteur der CONTRASTE seit 25 Jahren zuverlässig den Laden zusammen hält und damit einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass ich mich mit Solidarischen Ökonomien lesend und schreibend auf dem Laufenden halten kann; bei Karl-Heinz Bächstädt für geduldiges Korrekturlesen, umfangreiche Änderungsvorschläge und Kräutertee.
Elisabeth Voß, Berlin, Februar 2010

Zur Autorin

Elisabeth Voß arbeitet als Betriebswirtin und Publizistin in Berlin zu den Themen solidarische Ökonomien, genossenschaftliche Unternehmungen, Hausprojekte und Selbstorganisation in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist seit 20 Jahren Redaktionsmitglied und Autorin der CONTRASTE. Als Projektentwicklerin und Beraterin arbeitet sie unter anderem im Rahmen des NETZ. Von 1993 bis 1996 war sie bei der WESPE (Werk selbstverwalteter Projekte und Einrichtungen) in Neustadt/Weinstraße im Bereich ökologische Haustechnik, Hausverwaltung und internationale Vernetzung tätig; anschließend bei verschiedenen Berliner Beschäftigungsträgern in der betriebswirtschaftlichen Leitung und als Projektleiterin; von 2005 bis 2006 in der Geschäftsführung der Freiburger OekoGeno eG (ehemalige Ökobank); seit 2008 in der Geschäftsstelle der Gewerbehof Saarbrücker Straße eG in Berlin.

Linkliste zum Buch:

www.solioeko.de/voss

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