Susanne Elsen / Klaus Weber, Hochschule München (Hrsg.) Aktiv für Kinderrechte


Susanne Elsen / Klaus Weber, Hochschule München (Hrsg.) Aktiv für Kinderrechte

Artikel-Nr.: M 235
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Susanne Elsen/ Klaus Weber, Hochschule München (Hrsg.)
Aktiv für Kinderrechte
20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention
ISBN 978-3-940865-11-3 | 2010 I 154 S. | 16 €

Blick ins Buch

 


Mit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen im November 1989 ist ein neues Kapitel in der Geschichte des internationalen Menschenrechtsschutzes aufgeschlagen worden. Mit ihr wurde nicht nur das Bewusstsein für Kinderrechte geschärft, sondern auch den Blick auf Kinder als Rechtssubjekte verändert. Erstmals wurden Kinderrechte und damit korrespondierende staatliche Umsetzungsverpflichtungen in umfassender Form völkerrechtlich festgeschrieben. Die AutorInnen beleuchten verschiedene nationale und internationale Aspekte, skizzieren die Entwicklungen auf dem Weg, Kinderrechte durchzusetzen. Denn auch zwanzig Jahre nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention bestehen in vielen Bereichen noch eklatante Gegensätze zwischen dem völkerrechtlichen Anspruch und der Lebenswirklichkeit von Kindern.

Inhalt

Klaus Weber: Vorwort 7 Caroline Steindorff-Classe: Kinder haben Rechte – 20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention 11 Julia K. Hagn: Die UN-Kinderrechtskonvention: UNICEFs größte Herausforderung 31 Peter Mrozynski: Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Existenzminimums 49 Helmut Lechner: Kinderrechte – Kinderarmut – Kinderarbeit, Armut und Bildungsgerechtigkeit 63 Angela Gosch: Das Recht auf ein Höchstmaß an erreichbarer Gesundheit – Gesundheitliche Situation sozial benachteiligter Kinder in Deutschland 77 Hans-Peter Heekerens: „Kindliches Wohlergehen“ – ein erweiterter Armutsbegriff 95 Magdalena Hahn-Ritzkat und Michael von Cranach: Kinder psychisch kranker Eltern 105 Klaus Weber: Über die »Verarbeitung« von Kindern – Kinderarbeit und Armut in Bayern zu Beginn der Industrialisierung 121 Susanne Elsen: Kinder als politische Subjekte - Die weltweite Bewegung arbeitender Kinder 133 Zu den AutorInnen 149

Vorwort von Klaus Weber

Kinderarbeit, Kinderarmut und Kinderrechte – fast täglich ist in der Presse darüber zu lesen: Das Kinderheft der Zeitschrift GEO – GEOlino – berichtet in der Februarausgabe 2010 über die eigentlich verbotene Kinderarbeit auf den Philippinen. Alleine in den Bergwerken des Landes schuften mehr als 14.000 Mädchen und Jungen. Über zwei davon – Cindy und Vincent – erfahren wir Genaueres: Im Bergwerk sammeln sie kopfgroße erzhaltige Steine ein und zerklopfen sie zu kleinsten Brocken; sie hoffen, darin minimale Goldreste zu finden, die sie dann verkaufen können, um die Mutter und sich selbst zu ernähren. Der Vater ist nicht mehr am Leben; er kam eines Tages aus den Tiefen des Bergwerks nicht mehr zurück. Doch von dem wenigen, was die beiden Kinder finden, können sie die Miete nicht bezahlen und die tägliche Arbeit führt dazu, dass sie nur selten zur Schule gehen. Ein Abschluss dort wäre aber die einzige Möglichkeit, den Teufelskreis der Armut zu verlassen. Die Kinderzeitschrift berichtet über die täglichen Gefahren im Bergwerk und die Aussichtslosigkeit des kindlichen Tuns; über die sozialen und politischen Verwerfungen auf den Philippinen und diejenigen, welche einen Vorteil davon haben, dass Cindy und Vincent sich krank schuften, wird nichts gesagt. Im Mai 2010 veröffentlicht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ihre neueste Bilanz zum Thema Kinderarbeit, die alle vier Jahre im Rahmen einer weltweiten Untersuchung erforscht wird: Demnach müssen 215 Millionen Kinder weltweit arbeiten; sie erhalten zu wenig Schulunterricht und eine unzureichende Berufsausbildung. „Nur jedes fünfte Kind wird für seine Arbeit bezahlt, schreibt die ILO. Besonders schlimm sind die 115 Millionen Kinder dran, die so genannte »gefährliche Arbeiten« ausführen. Diese Tätigkeiten, zum Beispiel in Steinbrüchen und auf dem Bau, stellen die schlimmste Form der Ausbeutung dar“ (FAZ 10.5.2010). Ebenfalls im Mai 2010 berichten Forscher der Universität von Baltimore in einer WHO-Studie über aktuelle Zahlen der Kindersterblichkeit, welche sie aktuell ermittelten: 2008 starben 8,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Hinter den offiziellen medizinischen Diagnosen (Lungenentzündung, Durchfall und Malaria etc.) verbirgt sich vor allem – so die ForscherInnen – eine Mängelernährung, welche zu einer allgemeinen Schwäche führt. „Besonders hoch ist die Kindersterblichkeit in Afrika (4,2 Millionen Fälle) und Südostasien (2,4 Millionen). Während in den reichen Industrieländern nur ungefähr ein Prozent der Kinder unter fünf Jahren stirbt, verzeichnen nur fünf Staaten die Hälfte aller Fälle: Indien, Nigeria, Kongo, Pakistan und China“ (SZ 12.5.2010). Angesichts solcher Zahlenreihen – die wie die Zahlen bei Massenmorden unvorstellbare Dimensionen erreichen – sind viele Menschen schnell empört. Regelmäßig führen solche Empörungsschübe zu Spenden und anderen Hilfsmaßnahmen für Kinder, die in Armut leben, arbeiten oder eben sterben. Doch Empörung verhindert in der Regel die Analyse der hinter den Oberflächenphänomenen Tod, Hunger und Arbeit wirkenden personellen und strukturellen Ursachengeflechte: Erkundet werden müssen die Interessen derjenigen, die einen Vorteil – sozial, kulturell oder ökonomisch – aus der Lage der Kinder ziehen und unterstützt werden sollten die AkteurInnen, die in den verschiedenen Ländern auf allen Ebenen gegen die Zerstörung ihres Lebens und das ihrer Kinder mobil machen. Aktionen politischer Sujekte und ihrer Organisationen „von unten“ haben beispielsweise erreicht, dass die Zahl der Toten unter fünf Jahren seit 2000 rückläufi g ist. Jährlich sterben heutzutage ca. 1,8 Millionen Kinder weniger als im Jahr 2000. Das bedeutet nicht, dass das Leiden ihrer Brüder, Schwestern und Eltern unter den sozialen Verhältnissen verschwunden ist. Das bedeutet aber in jedem einzelnen Fall weniger Schmerz, weniger Tränen und mehr Hoffnung auf ein zukunftsfähiges Leben: für die Eltern und für die Kinder. Kinder und ihre Rechte, Kinder und ihr Leben in diversen Gesellschaften, Kinder als politische Subjekte: Trotz der analytisch dichten Sammlung von Themen, die die politischen und sozialen Dimensionen kindlichen Lebens und Arbeitens in dieser Welt, sollten wir die widersprüchlichen Fallstricke, die auch in einem solchen Projekt liegen, nicht übersehen: Das Hervorheben der besonders „schlimmen“ und „tragischen“ Kinderschicksale – wie dies vor allem im medialen Bereich geschieht – verhüllt die Tatsache, dass auch in den entwickelten Ländern sich die ökonomische Schere zwischen armen und reichen Familien mit all den damit zusammenhängenden Folgen (soziale und kulturelle Verelendung; Verhinderung von Zugängen zu Bildungs- und Kultur-Welten etc.) weiter öffnet. Die politische Bewegung jedoch, die Kinder – auch und vor allem in den „entwickelten“ Ländern des „Westens“ – als selbstverständliche PartnerInnen in familialen, institutionellen und gesellschaftlichen Prozessen anerkennt, ist nicht in Sicht. Sozialer, kultureller und politischer Einsatz für eine kinder- und menschengerechte Welt fängt auch bei uns AutorInnen dort an, wo wir selbst stehen: bei der Auseinandersetzung und dem „Kampf“ für eine bessere Hochschule mit Lehr- und Studienbedingungen, die nicht nur den StudentInnen, sondern uns selbst Arbeitsverhältnisse ermöglichen, die ausreichend Zeit, Lust und Kraft lassen für eine über die Tagesarbeit hinausgehende Beschäftigung mit Menschen, Projekten und Initiativen für eine gerechtere Welt.

zu den Herausgebern

Klaus Weber, geb. 1960, Prof. Dr. phil. habil., Erzieher und Diplompsychologe, lehrt an der Hochschule München für angewandte Sozialwissenschaften Psychologie. Seit 1997 Gastprofessor an der Universität Innsbruck am Institut für Psychologie. Letzte Veröffentlichung: Eliten-Züchtung und Selektion der „Einfältigen“. Das Zarathustra-Projekt Peter Sloterdijks. In: Jan Rehmann &
Thomas Wagner (Hg.). Aufstand der »Leistungsträger«. Das Buch zur Sloterdijk-Debatte (2010). Argument Verlag. Mitglied der GEW und des INKRIT e.V.; Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung. Wissenschaftlicher Beirat des Kurt-Eisner-Vereins Bayern e.V., des DGB Bildungswerks e.V. und des Argument Verlags.

Susanne Elsen, Prof. Dr., Sozialwissenschaftlerin, Dekanin der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften und wissenschaftliche Leiterin des europäischen Masterstudiengangs „Gemeinwesenentwicklung und Lokale Ökonomie“.
Schwerpunkt in Forschung, Entwicklung und Lehre: Soziale Bewegungen und soziale Entwicklung in der Weltgesellschaft, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Entwicklung, Community-Development, Solidarökonomie und Gemeinwesen.


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