Petra Flieger, Volker Schönwiese, Das Bildnis eines behinderten Mannes


Petra Flieger, Volker Schönwiese, Das Bildnis eines behinderten Mannes

Artikel-Nr.: M 198
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Bildkultur der Behinderung vom 16. bis ins 21. Jahrhundet
Wissenschaftlicher Sammelband
ISBN 978-3-930830-82-4, 2007, 305 Seiten

Der vorliegende Sammelband präsentiert detailliert die vielfältigen Ergebnisse des transdisziplinären Forschungsprojekts Das Bildnis eines behinderten Mannes. Zwei inhaltliche Schwerpunkte gliedern ihn: Der erste Teil verbindet die Beschreibung der partizipatorischen Forschungsmethode mit Beiträgen, die sich aktuellen Darstellungen von behinderten Menschen bzw. den Blicken auf sie widmen und aus der Perspektive von Frauen und Männern mit Behinderung geschrieben wurden. Der zweite Teil widmet sich ausführlich der interdisziplinären Interpretation dreier ausgewählter historischer Darstellungen von behinderten Personen.

"Für Menschen, die an progressiver, innovativer Forschung interessiert sind, und Kunstliebhaberinnen ist der Sammelband ein absolutes Muss."
(
Tobias Buchner in: Die österreichische Volkshochschule, 04-2008 Nr. 230)

Rezension
von
Tobias Buchner
in: Die österreichische Volkshochschule, 04-2008 Nr. 230
Dieser Sammelband handelt von einem bisher im deutschen Sprachgebiet einmaligen Forschungsprojekt. Eine Forschungsgruppe, größtenteils bestehend aus behinderten Frauen und Männern, widmete sich der interdisziplinären Interpretation von historischen Bildern, die behinderte Menschen darstellten. Interdisziplinär bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Gruppe mit Expert/innen aus verschiedenen Fachrichtungen und Tätigkeitsfeldern zusammengesetzt war, die alle ihr spezifisches Wissen einbrachten. So arbeiteten eine Sozialwissenschaftlerin, ein Erziehungswissenschaftler, KunsthistorikerInnen, Publizisten, Mediziner und vor allem Vertreter/innen der "Selbstbestimmt Leben"-Bewegung bei der Analyse der Bilder zusammen. Daher konnten Bilder aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden, Der Zugang wie auch die Expertise, welche sich aus der eigenen Behinderung ergaben, verschmolzen mit der interdisziplinären akademischen Betrachtung der Bilder zu einer in dieser Form einzigartigen Analyse von Kunst und Kultur.

Die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlerlinnen und behinderten Menschen ohne akademische Ausbildung wird innerhalb des wissenschaftlichen Bereichs als "partizipativ" bezeichnet. Daher handelt es sich bei dem in diesem Buch beschriebenen Projekt um ein interdisziplinäres, partizipatives Forschungsprojekt. Mit diesem Zugang wurde wissenschaftliches Neuland betreten -schließlich haben partizipative Forschungsprojekte mit einer solch hohen Qualität und auch Tiefgang in Österreich bislang nicht stattgefunden.

Der Titel des Projekts "Bildnis eines behinderten Mannes" deutet auf das zentrale Objekt des Projekts hin: Ein Gemälde, das seit der zweiten Hälfte des 16, Jahrhunderts in der "Kunst-und Wunderkammer" von Schloss Ambras bei Innsbruck zu seilen ist. Es zeigt einen Mann mit einer körperlichen Beeinträchtigung, der nackt auf dem Bauch liegend den/die Betrachter/in anschaut. Ausgehend von diesem Objekt beschloss die Forschungsgruppe, weitere historische Bilder von behinderten Menschen zu analysieren. Dabei interessierte besonders die Art und Weise, wie die behinderten Personen dargestellt wurden, wie auch der daraus resultierende Blick auf die dargestellten Personen.

Die Beiträge sind grob in zwei wesentliche Schwerpunkte aufgeteilt: Der erste Teil verbindet die Beschreibung der methodischen Herausforderungen im Zuge der Durchführung des interdisziplinären partizipativen Projekts mit Beiträgen, die sich der Analyse der Darstellung von Dabehinderten Menschen aus dem Blickwinkel von behinderten Frauen und Männern widmen. Der zweite Tei I enthält ausführliche interdisziplinäre Interpretationen dreier ausgewählter historischer Darstellungen von behinderten Menschen.

Der Sammelband besticht durch seine analytische Tiefe und der bereits zuvor beschriebenen Vielfalt an Blickwinkeln, unter denen die Bilder untersucht wurden. Besonders hervorzuheben sind dabei drei Artikel. Petra Fliegers Beschreibung des partizipativen Ansatzes des Projekts und den damit verbundenen Herausforderungen, Schwierigkeiten, aber auch die daraus entstehende einmalige Qualität, können als ein Meilenstein im deutschsprachigen Raum in Hinblick auf die Weiterentwicklung der partizipativen Forschungsmethodik gesehen werden, Der Beitrag von Volker Schönwiese widmet sich der Darstellung behinderter Personen in Massenmedien. Dabei erarbeitet er in brillanter Schärfe am Beispiel zweier Bilder latente Sinnstrukturen, die den Blick auf behinderte Menschen prägen. Monika Rauchberger, Mitarbeiterin des Selbstvertretungszentrums WIBS in Innsbruck, verbindet in ihrem Beitrag die Verbindung der Diskurse von Mitleid und des "Behindert\Werdens" aufgrund von Zuschreibungen und Blickmustern in einem Tiefgang als auch einer Verständlichkeit, die seinesgleichen sucht.

Für Menschen, die an progressiver, innovativer Forschung interessiert sind, und Kunstliebhaberinnen ist der Sammelband ein absolutes Muss.


 

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